Montagsschweinerei: Biscuits and Gravy

biscuits and gravy

Ich gebe es zu, das ist ein bisschen geschummelt, denn gegessen haben wir diese herzhaften Brötchen mit der Soße an einem Sonntag. Aber es ist ein wenig Schwein drin, also darf dieser Beitrag zum Event “Montagsschweinereien” wandern.

montagsschweinereien

Im Grunde ist das nicht nur eine Schweinerei, weil Schwein drin ist, sondern auch, weil es eine recht üppige Angelegenheit ist – besonders wenn man das Essen, so wie das gedacht ist, zum Frühstück serviert.

Die Idee kommt aus den amerikanischen Südstaaten: die Biscuits sind nicht etwa Kekse, sondern eher eine Art herzhafter Brötchen. Sie bestehen aus einem Backpulverteig, der außerdem Buttermilch, Butter und Käse enthält. Die Biscuits sind üppig und gehen beim Backen blättrig auf.

Gegessen werden die Bisciuts mit einer herzhaften Sauce auf der Basis von Hackfleisch, Hühnerbrühe und Sahne. Danach kann der Tag kommen!

Gemopst habe ich das Rezept aus einem neuen USA-Kochbuch*, das ich Euch demnächst noch näher vorstellen werde.

So, jetzt los. Das Rezept ist für 4:

Für die Biscuits:

  • 300 gr. Mehl (Weizen 550 oder Dinkel 630), plus Mehl zum Arbeiten
  • 2 TL Backpulver
  • 1 TL geräuchertes Paprikapulver (ich hatte edelsüßes)
  • 1/2 TL Salz
  • 85 gr. kalte Butter
  • 60 gr. Käse, ein kräftiger Hartkäse
  • 225 gr. Buttermilch
  • Pfeffer aus der Mühle
  • 1 Ei, mit 1 EL kaltem Wasser verquirlt

Den Ofen auf 230°C vorheizen. Ein Blech mit Backpapier auslegen. Den Käse grob reiben.

Das Mehl zusammen mit Salz, Backpulver und Paprika in eine Schüssel sieben. Die Butter in Flöckchen dazu geben und alles zu einem krümeligen Teig verarbeiten. Käse zugeben, pfeffern und alles kurz vermischen. Dann die Buttermilch dazu gießen und alles mit einem Löffel zu einem weichen Teig verarbeiten.

Die Arbeitsfläche mit etwas Mehl bestäuben. Darauf den Teig mit den Händen zu einem Rechteck von ca. 3 cm Dicke formen. Mit einem runden Ausstecher (ca. 6 cm) kleine Kreise ausstechen und diese auf das Blech setzen. Teigreste wieder zu einem Rechteck formen und erneut ausstechen. So weiter machen, bis der ganze Teig aufgebraucht ist.

Die Plätzchen mit dem verquirlten Ei bestreichen und im heißen Ofen ca. 10-12 min backen. Sie sollen schön aufgehen und goldbraun sein. Erst kurz auf dem Blech abkühlen lassen, dann zum weiteren Abkühlen vorsichtig auf ein Kuchengitter geben.

Für die Gravy:

  • 1 EL neutrales Öl zum Braten
  • 250 gr. gemischtes Hackfleisch
  • Salz, Pfeffer, Sojasauce, Muskat
  • 1 EL Mehl
  • 250 gr. Hühnerbrühe
  • 125 gr. Sahne
  • Zitronensaft

Während die Biscuits backen, kann man die Soße vorbereiten. Dafür das Hackfleisch in einer Pfanne im Öl krümelig braten. Kräftig mit Salz, Pfeffer und Sojasauce würzen. Temperatur etwas herunterstellen, das Fleisch mit Mehl bestäuben und kräftig durchrühren. Unter weiterem Rühren nach und nach die Brühe zugießen. Dann die Sahne einrühren und alles ca. 5 min köcheln lassen, bis die Sauce eindickt ist. Mit Muskatnuss würzen und mit einem Spitzer Zitronensaft abschmecken.

Kabeljau mit Dijonsenfkruste

kabeljau in der senfkruste

Das war unser Renner aus dem Buch “Die große Schweizer Küche“*: Der Fisch unter der würzigen Senfkruste schmeckt einfach genial.

Eigentlich sollte der Kabeljau ja ein Wels sein, aber als ich zum Einkaufen kam, waren andere schneller gewesen, und so habe ich mit dem Kabeljau vorlieb genommen. Wobei sich ja im Grunde jeder festfleischige Fisch für dieses Gericht eignet.

Der Fisch wird mit einer Masse aus Toastbrot, Butter, Ei und Senf bestrichen, im Ofen gegart und dann noch kurz gratiniert. Im Buch wird geraten, den Fisch auf gedüstetem Wirsing zu servieren. Ich habe meine geliebten glasierten Möhrchen dazu serviert – und Polenta.

Für 4 Personen:

  • 2 EL Rapsöl
  • 600 gr. festfleischige Fischfilets wie Wels oder Kabeljau
  • 200 ml heiße Gemüsebrühe
  • 100 gr. Toastbrot, ohne Rinde
  • 10 gr. Butter 1
  • 1 kleine Schalotte
  • 30 gr. Dijonsenf
  • 60 gr. Butter 2, weich
  • 30 gr. Eigelb
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1 Bund Schnittlauch

Für die Senfkruste das Toastbrot in Würfel schneiden und in der heißen Gemüsebrühe einweichen. Schalotte schälen, fein hacken und in der Butter 1  glasig dünsten.

Butter 2 mit Senf zu einer luftigen Masse aufschlagen. Das Eigelb einrühren. Die Brotwürfelchen gut ausdrücken und zusammen mit der Schalotte einrühren. Schnittlauch in Röllchen schneiden und unterrühren. Die Masse mit Salz und Pfeffer würzen. Masse auf Alufolie zu einem Rechteck formen und kühl stellen.

Backofen auf 170°C vorheizen.

Den Fisch mit Salz und Pfeffer würzen. In einer Pfanne im Rapsöl beidseitig kurz anbraten. Fischfilets in eine feuerfeste Form legen, in den Ofen schieben (mittlere Schiene) und 3-5 min braten. Aus dem Ofen nehmen.

Backofengrill auf 250°C aufheizen. Die Fischfilets mit der gekühlten Senfmasse belegen. In den Ofen schieben (obere Hälfte) und 2 min gratinieren.

Lasst es Euch schmecken!

Rezension: Die große Schweizer Küche I Alfred Haefeli, Erika Lüscher

cover

So, dann kommen wir mal zur letzten Rezension  – damit ist mein kleiner Marathon dann beendet :-) .

Schweizer Küche – was verbindet Ihr damit? Viel Käse und natürlich Schokolade? Dass das die Flagschiffe sind, ist klar – und ebenso klar ist, dass es viel mehr zu entdecken gibt. Ich hatte neben der üblichen Berühmtheiten spontan erst mal meine Älplermagronen im Kopf, wobei wir dann wieder beim Käse wären. Was für ein Glück also, dass dieses Buch uns einen genaueren Einblick in die Küchentraditionen der Schweiz gewährt.

Geschrieben haben das Buch der Verleger und Autor Alfred Häefeli und die Journalistin Erika Lüscher. Für die Rezepte haben die beiden sich Hilfe geholt – unter anderen bei den Aargauer Landfrauen, bei Thuuri Maag, Erica Bänziger oder Lucas Rosenblatt.

Ich fange mit den Äußerlichkeiten an – wie immer :-) Das Buch gefällt mir. Das Layout ist klar und übersichtlich – Rezept und Bild nehmen jeweils eine Doppelseite ein. Die Rezeptfotos sind hübsch, kommen aber ohne großes Chi-Chi aus. Mattes Papier und Fadenbindung sorgen für einen hochwertigen Eindruck.

Dann mal zum Inhalt. Meine Erwartung war ja, mehr über die Schweizer Küche zu erfahren – und diese Erwartung wurde erfüllt. Das liegt zum einen an den Rezepten. Die sind ganz traditionell gegliedert in Suppen, Vorspeisen und kleine Mahlzeiten, Vegetarische Hauptgerichte, Fleisch, Fisch, Eintöpfe und Aufläufe, Brot, Kuchen und Gebäck und Dessert. Man findet Klassiker wie Bündner Gerstensuppe, Rösti, Raclette,  Plain in Pigna oder Aargauer Rueblitorte, aber auch modern Interpretiertes wie Fisch auf Ingwer-Verjus-Gemüse, Minzeparfait im Filoteig-Körbchen oder Haferflockenburger mit Lauch. Die Rezepte sind relativ knapp formuliert – es schadet nicht, wenn man etwas Kocherfahrung hat. Mit den Rezepten für Hefegebäck bin ich nicht warm geworden – sonst war ich mit allem zufrieden.

Die Rezepte sind allerdings nur eine Seite des Buches. Die andere sind die Geschichten. Zum einen gibt es zu jedem Rezept eine sehr ausführliche Einführung, in der wir etwas über den Ursprung des Rezepts oder seine Zutaten erfahren. Zusätzlich wird bei jedem Rezept noch eine Zutat ganz besonders in den Fokus gestellt: seien es die Forellen, der Mozzarella aus der Schweiz, Hühnchen,  die Hefe oder der Appenzeller Käse. Das gibt es jeweils ein kleines Foto und einen Text, der Produkte und Produzenten vorstellt. Wer mehr wissen möchte, kann unter den zitierten Links weiterlesen. Das ist informativ und macht Spaß.

Natürlich habe ich nicht nur gelesen, sondern das Buch hat mich auch direkt in die Küche geschickt:

capunsCapuns sind gefüllte Mangoldröllchen. Die blanchierten Mangoldblätter werden mit einer Art Pfannkuchteig, der mit Brotwürfelchen und Speck angereichert ist, gefüllt, in Wasser vorgegart und dann noch kurz überbacken – ein richtiges Lieblingsessen.

dörrbohneneintopfKeine Schweizer Küche ohne Dörrbohneneintopf – ein schönes, deftiges Essen für Herbst und Winter. Dörrbohnen, Kartoffeln und dicke Stücke Speck, der zusätzlich Würze abgibt, das ist ein richtiges Wohlfühlessen. Nur etwas mehr Flüssigkeit am Eintopf hätte ich mir gewünscht.

bolognese mit walnüssenNochmal Lieblingsessen….ich meine, mit Bolognese kann ich hier immer kommen. In der Schweizer Variante wird sie mit Weisswein abgelöscht. Und am Ende kommen gehackte Walnüsse dazu. Serviert wird das ganze mit Kartoffelpüree. Das mag jetzt nicht übermäßig schön aussehen….aber trotzdem, ich frage mich, wieso ich da nicht schon vorher draufgekommen bin. Das ist wirklich Wohlfühlessen vom Feinsten.

hefezopf

Mit dem Hefezopf war ich nicht ganz glücklich. Einerseits war er nicht wirklich locker und  fluffig, was sicher daran lag, dass es im Rezept keine zweite Gehzeit gibt – der Zopf wird nach dem Flechten gleich in den Ofen geschoben. Und dann gibt es da noch die Form. Aus zwei Strängen soll man einen Zopf flechten….ich habe mich mit gerunzelter Stirn durchgewurstelt. Dass hinter einem richtigen Zopf eine ausgeklügelte Flechttechnik steckt, habe ich nicht aus dem Rezept erfahren, sondern durch Zufall aus einer anderen Quelle – und viel zu spät.

sauerkrautsuppe

Sauerkrautsuppe? Mein Mann schaute erst mal etwas misstrauisch. Geschmeckt hat die einfache Suppe aus Sauerkraut, Kartoffeln und Gemüsebrühe dann aber doch. Was mir besonders gut gefallen hat war der dazu servierte Wacholdertoast. Für den werden Brote gebuttert und mit etwas Senf bestrichen. Darüber kommen zerstoßene Wacholderbeeren; alles kommt kurz unter den Backofengrill.

maluns

Maluns sind eine einfache Arme-Leute-Speise aus Kartoffeln und Mehl: gekochte, geriebene Kartoffeln werden mit Mehl und ein wenig Ei vermischt und dann unter Rühren so lange in der Pfanne gebraten, bis eine krümelige, knusprige Masse entstanden ist. Wir haben die Maluns einfach mit etwas Salat und Apfelkompott gegessen. Obwohl die Zutaten denkbar einfach sind, schmecken sie grandios.

kabeljau in der senfkruste

Der Kabeljau unter der Senfkruste hätte eigentlich ein Wels sein sollen – aber als ich zum Fischhändler kam, war der ausgeplündert. Geschmeckt hat der Fisch dennoch richtig toll – ein saftiger, auf den Punkt gegarter Fisch unter einer sanft-würzigen Haube aus Toastbrot, etwas Senf, Eigelb, Butter und Schnittlauch. Ich habe Polenta und karamellisierte Karotten dazu serviert – das hat gepasst.

bienenstich

Als ich den Bienenstich gesehen habe, musste ich herzhaft lachen: mein Schwiegervater macht immer Bienenstich ohne Füllung, wenn er grade träge ist. Und nun weiß ich – in der Schweiz macht man das immer so. Maßgeblich ist, dass der Belag aus gehackten Mandeln, Honig und Butter schön karamellisiert und der Boden gut aufgeht. Das ist mir gelungen :-) . Mit dem Rezept war ich aber nicht ganz einverstanden…in der Einführung stand noch, dass der Bienenstich von der langen Teigruhe lebte, im Rezept wurden dann für 600 gr. Mehl ein ganzer Würfel Hefe benutzt und die Teigruhe sollte insgesamt 20 (!) Minuten betragen. Ich habe sehr viel weniger Hefe benutzt und den Teig zweimal eine Stunde ruhen lassen.

Fazit? Ich hatte große Freude an dem Buch. Die Rezepte  – und vor allem die Geschichten hinter den Rezepten –  haben mir gut gefallen. Ich denke, ich weiß nun mehr über die Schweiz und ihre Esskultur. Die Rezepte sind manchmal etwas knapp gefasst, aber mit etwas Kocherfahrung kommt man gut zurecht.

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: FONA Verlag; Auflage: 1 (Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3037805565
  • € 34,80

Royale mit Espresso-Orangen-Reduktion

royale auf espresso-orangen-reduktion

Das ist mein Lieblingsrezept aus “Parmesan!”* Ich war misstrauisch beim Lesen. So eine Royale ist zwar mächtig, aber als Appetizer eine feine Sache. Nachdenklich hat mich die dazu servierte Reduktion gestimmt Orangensaft und Espresso, sirupartig eingekocht mit etwas Zucker – das ist schon ein starker Geschmack. Ob das wohl geht?

Nun, es geht. Und zwar richtig gut. Ich musste schwer an mich halten, um nicht alles alleine aufzufuttern: Die Royale hat einen ausgeprägten Parmesan-Geschmack und ist schön cremig. Und die Reduktion ist der perfekte Kontrapunkt: bitter, leicht süß und mit ein wenig Frische von den Orangen.

Das Original-Rezept ist für 10 Portionen; ich habe die Hälfte davon zubereitet, denn die Royale verliert viel von ihrem Charme, wenn man sie nicht bald isst. Trotzdem hat meine Royale doppelt so lange gebraucht, um zu stocken, als im Rezept angegeben war. Ich gebe Euch das Rezept, so wie es im Buch steht:

Für 10 Appetizer-Portionen:

Für die Royale:

  • 250 gr. Parmigiano Reggiano
  • 370 gr. Sahne
  • 3 Eier
  • 1 Prise Salz

Für die Reduktion:

  • 200 ml Espresso
  • 125 ml Orangensaft, frisch gepresst
  • 40 gr. Zucker

Ofen auf 140°C vorheizen.

Für die Royale den Parmesan fein reiben, dann mit Sahne und Eiern verquirlen. Masse in eine Kastenform aus Silikon gießen. Wer keine hat, legt eine “normale” Form mit Backpapier aus.

Ein Wasserbad vorbereiten: heißes Wasser in eine Auflaufform gießen, die so groß ist, dass die Kastenform darin bis zur halben Höhe  im Wasser steht. Alles im vorgeheizten Ofen garen. Im Rezept stehen 45 min. Ich hatte nur die halbe Menge Royale, die hat aber deutlich länger gebraucht. Schaut einfach selbst nach: wenn Ihr mit dem Finger oben auf die Masse drückt, soll sie sich fest, aber elastisch anfühlen, ein wenig wie ein Pudding. Immer dran denken: die Masse muss aus der Form geholt und in Würfel geschnitten werden.

Während die Royale gart, kann man den Espresso-Orangen-Spiegel vorbereiten: dafür in einem kleinen Topf alle Zutaten unter Rühren sirupartig einkochen lassen, dann beiseite stellen.

Die fertig gegarte Royale aus dem Ofen holen und in der Form auskühlen lassen. Dann vorsichtig aus der Form stürzen (das Backpapier ggf. vorsichtig abziehen) und die Masse in Würfel schneiden.

Zum Servieren die Royale im Ofen bei ca. 80°C kurz aufwärmen. Auf dem Espresso-Spiegel anrichten.

Kochbuch-Rezension: Parmesan * Rainer Schillings, Ansgar Pudenz – mit Rezepten von Carmelo Greco

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Parmesan – wie ist das bei Euch? Bei mir darf er in der Küche auf keinen Fall fehlen. Wenn ein Stück zur Neige geht, werde ich leicht nervös und besorge Nachschub. Was könnte mir also näher liegen als ein ganzes Buch über Parmesan?

Das Buch kommt in einer hochwertigen Ausstattung daher: aufwändig fotografiert, mit Fadenheftung und Lesebändchen. Das Layout ist ungewöhnlich und macht Spaß: große Überschriften, Anfangsseiten zu den Kapiteln mit weißer Schrift auf schwarzen Papier, riesige, aus Punkten zusammengesetzte Seitenzahlen – ein wenig schräg, schön ungewöhnlich.

“Parmesan” ist kein reines Kochbuch. Es beginnt mit der Parmesan-Theorie, sozusagen. Wir erfahren Lesenwertes über die Geschichte des Parmesan, über seine Herkunftsregion und die Zona tipica und natürlich über die Herstellung. Den Abschluß bildet ein kurzer Überblick über die Alterklassen. Die Einführung ist schwungvoll verfasst und hat mir Spaß gemacht. Ich wußte zum Beispiel vorher nicht, dass es in der Emilia Romagna Banken gibt, die Parmesan als Sicherheit für Kredite akzeptieren.

Jetzt zu den Rezepten: Die stammen von Carmelo Greco, Sternekoch mit einem italienischen Restaurant in Frankfurt am Main. Die Rezepte sind nach der klassischen italienischen Speisefolge geordnet. Bei den Antipasti locken Gefüllte Austern mit Risotto und Schokolade, aber auch der Klassiker Parmiggiana. Bei den Primi geht es um Pasta und Risotti, es gibt aber auch Rinderconsommé und Gnocchi. Das Secondi-Kapitel ist mit 5 Rezepten zu Fleisch und Fisch recht kurz, dafür finden wir aber sogar noch Nachtisch mit Parmesan – Parmesan-Eis zum Beispiel. Natürlich gibt es auch zu jedem Rezept eine Weinempfehlung.

Ich bin mir sicher, dass Carmelo Greco ein hervorragender Koch ist, der seine Gäste mit wunderbaren Kreationen glücklich macht. Sicherlich hat er nicht umsonst seit Jahren einen Michelin-Stern und 17 von 20 Gaullt-Milleau-punkten. Die Ideen im Buch sind ungewöhnlich und machen richtig Spaß. Ich muss unbedingt noch die Parmesan-Zabaione ausprobieren und natürlich das Eis. Das Ganze ist Restaurant-Küche. Da kommen schon mal 12 Eigelb in den Nudelteig, es wird mit Blattgold ausgarniert und natürlich gibt es auch Trüffel und Filet vom piemontesischen Rind. Das kann man in der heimischen Küche ja zur Not variieren.

Gestolpert bin ich aber über die Umsetzung der Rezepte. Die sind extrem kurz gefasst. Oft fehlen wichtige Details oder Arbeitsschritte. So manchem Rezept hätte es gut getan, wenn man der Zubereitung noch einen Absatz mehr gewidmet hätte. Oft sind die Zubereitungsempfehlungen auch einfach nicht so recht nachvollziehbar:  Da soll ich für eine Granatapfelcreme einen Granatapfel mit Brot und Butter in den Mixer geben. Einen Granatapfel. Nicht die Kerne oder den Saft. . Bei den Risotto-Rezepten soll ich für jeweils 240 gr. Reis einmal mit 2 l Fond aufgießen, im nächsten Rezept dann nur mit 1 l Fond (was sehr viel wahrscheinlicher ist). Oder es gibt Tortelli mit frittiertem Blättchen. Im Rezept werden die Blättchen aber in der Mikrowelle getrocknet.

grissiniMein erster Versuch waren die Grissini. Ich kann gar nicht sagen, wie oft die die seither gebacken habe. Sie sind einfach genial. Hier geht es zum Rezept. Im Buch wird Teig aus 1 kg Mehl hergestellt; es werden daraus Grissini und Pannini gebacken. Das Rezept ist etwas kurz gefasst…..ich habe es mir zurechtgebastelt. Da werden Grissini und Panini von nicht näher benannter Größe geformt; die sollen dann auf ein Blech und 7 min backen. Bei mir hat jeweils ein Viertel der Rezeptmenge für ein Blech gereicht; ich habe auch nur Grissini gemacht. Je nach Größe müssten Panini wohl länger backen.

royale auf espresso-orangen-reduktionRoyale mit Orangen-Espresso-Reduktion – so ganz konnte ich mir das nicht vorstellen. Die Royale besteht aus Sahne, Ei und Parmesan und wird im Wasserbad gegart. Zum Servieren wird sie auf einen kleinen Saucenspiegel geseetzt: eine Reduktion aus Espresso, Orangensaft und etwas Zucker, die sirupartig eingekocht wird. Die Royale ist üppig, cremig und schmeckt intensiv nach Parmesan. Dazu kontrastriert die bittersüße Reduktion – ich hätte mich reinsetzen können! Allerdings musste meine Royale doppelt so lange garen wie im Rezept angegeben.

safran-risottoSo. Jetzt kommen wir zum Safran-Risotto. Beim ersten Lesen hatte ich mich gewundert, wieviel Fond da verwendet werden soll – 2 Liter für 240 gr. Reis? Nun, ich habe knapp die Hälfte gebraucht. Ein Rezept weiter gibt es übrigens noch ein Risotto. Da braucht man dann für dieselbe Menge Reis nur einen Liter Fond. Gut. Was mich aber wirklich geärgert hat – und jetzt, wo ich tippe, steigt der Ärger wieder hoch: 10 (!) gr. Safran sollen an das Risotto. Zur Erinnerung: ein Supermarkt-Döschen hat 0,3 Gramm. Ich liebe Safran. Er ist für mich eine wertvolle Zutat, die ich achtsam einsetze. Im Rezept werden die 10 gr. Safran gegen Ende der Garzeit einfach so an das Risotto gegeben. Ich bin mit einer großzügigen Prise aus meinem Döschen von Madavanilla ausgegekommen – allerdings habe ich den Safran auch mit etwas Salz gemörsert und in warmem Fond eingeweicht, bevor ich ihn an das Risotto gegeben habe. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man in einem Restaurant so achtlos mit Safran umgeht, wie es in diesem Rezept beschrieben ist.

kartoffelpizza

Pizza. Mit Kartoffelbelag, Crème fraîche und natürlich Parmesan. Das ist genau meine Wellenlänge. Die Pizza hat mich dann auch wieder etwas versöhnt. Der Teig besteht aus Weichweizen und Hartweizenmehl zu gleichen Teilen und hatte nach dem ersten Gehen eine perfekte Konsistenz. Dann soll er auf dem Blech ausgerollt und 30 min bei 180°C im Ofen “gehen” – das stimmte mich misstrauisch, aber gut – nach 30 min war der Teig tatsächlich tüchtig aufgegangen, allerdings auch schon angebacken. Der Teig wird mit dem Belag bestrichen und kommt nochmal in den Ofen. Meine Angst, dass das alles etwas trocken werden könnte, war unbegründet  – die Pizza war klasse. Die Kartoffeln haben beim Backen noch etwas Feuchtigkeit abgegeben.

Das Fazit…..ich mag Bücher wie dieses, die sich mit einer Zutat befassen, sehr. Mir gefallen die informative, schwungvoll geschriebene Einführung über meinen Lieblingskäse und das kreative Layout. Auch die Rezeptideen sind toll. Es ist aber sehr schade, dass man beim Lektorieren der Rezepte nicht genauer gearbeitet hat, denn wenn man aus diesem Buch kochen will, dann muss man so manches Hindernis überspringen.

  • Gebundene Ausgabe: 110 Seiten
  • Verlag: 99pages; Auflage: 1 November 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3942518444
  • 29,00