Reisfleisch

reisfleisch

Na toll, werdet Ihr denken. Jetzt fällt ihr nix mehr ein. Jetzt schreibt sie schon über simples Reisfleisch.

Aber diesem Reisfleisch ging eine lange Suche voraus. Reisfleisch war nämlich eines meiner Lieblingsgerichte als Kind. Alle Nachbauversuche scheiterten aber. Nicht, dass das Ergebnis nicht essbar gewesen wäre, es war schon okay. Aber nie und nimmer war es DAS Reisfleisch. Natürlich habe ich auch bei meiner Mutter nachgefragt. Die runzelte die Stirn, und als Antwort kam: “Ach weißt Du, der Papa verträgt sowas ja nicht mehr so gut. Ich habe das so lange nicht mehr gemacht, ich weiß gar nicht mehr, wie ich das gekocht habe.” Gut. Oder vielmehr, nicht gut.

Nun ist vor ein paar Tagen ein nicht ganz neues Kochbuch bei mir eingezogen, nämlich “Die gute Küche”* von  Wagner/Plachutta. Eine erstes Durchblättern ließ mich freudig durch die Gegend hüpfen. Wieso habe ich das nicht schon früher angeschafft? Richtig hängen geblieben bin ich dann beim Reisfleisch-Rezept, und kurzes Durchlesen sorgte für eine küchentechnische Erleuchtung: das Reisfleisch wird vor dem Servieren mit einer Mischung aus Sauerrahm und Mehl abgebunden. Flugs die Pläne für das Abendessen geändert und Reisfleisch gekocht. Und was soll ich sagen….da ist es, DAS Reisfleisch!

Der Plachutta nimmt Kalbfleisch. Ich nehme Rind. Ich weiß schon, ein mächtiger Unterschied. Aber das Reisfleisch meiner Kindheit war mit Rind; Kalb kam bei uns so gut wie nie auf den Tisch. Wer mag, kann das fertige Reisfleisch noch mit geriebenem Parmesan bestreuen.

Für 4 Personen:

  • 600 gr. Rindfleisch, eine Qualität, die sich zum Schmoren eignet.
  • 150 gr. Reis, Langkorn (ich hatte Parboiled)
  • 1 Zwiebel
  • neutrales Öl zum Braten
  • 3 TL Paprika edelsüß (Delikatess von Kotanyi, hurra!)
  • 1 1/4 l Brühe (ich hatte selbstgemachte Gemüsebrühe)
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 EL Mehl, plus etwas zum Bestäuben
  • 50 ml Sauerrahm
  • gehackte Petersilie zum Anrichten

Das Fleisch in ca. 2 cm große Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken.

Öl in einem großen Topf erhitzen, das Fleisch portionsweise von allen Seiten anbraten, dabei salzen und mit Mehl bestäuben. Fleisch herausnehmen, dann die Zwiebeln im Bratfett glasig andünsten. Mit dem Paprika bestäuben, dann gleich die Brühe angießen. Fleisch und Knoblauch zugeben, Deckel aufsetzen und alles dünsten lassen. Nach 50 min den Reis zugeben und alles bei geringer Hitze weitere 25 min weitergaren. Den Sauerrahm mit dem Mehl verquirlen und in das Reisfleisch rühren. Noch einmal kurz aufwallen lassen, dann mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zum Anrichten mit Petersilienblättchen bestreuen.

33 comments for “Reisfleisch

  1. März 25, 2014 at 9:15 pm

    Jetzt fällt ihr nichts mehr ein :) Wenn ich mich recht erinnere hat meine Oma jeweils am Geburtstag meines Opas etwas ganz ähnliches gekocht! Ich muss mich demnächst mal erkunden, wie das hiess. Aber Sauerrahm war da auch drin, daran erinner ich mich – und das genau das mir in Kombi mit Reis so wunderbar geschmeckt hat :) Schön solche Erinnerungen!

    • März 26, 2014 at 9:14 am

      Ja, solche Erinnerungen sind wunderbar…und ich sehe schon, ich bin nicht allein mit meiner Vorliebe für Reisfleisch :-)

  2. März 25, 2014 at 6:47 pm

    Was ist denn bitte simpel an Reisfleisch? Der tolle Geschmack? Erst Dein Blog hat mich auf die Idee gebracht dass ich das auch mal wieder machen könnte. Ich würde jedoch Sahne und Mehl statt Sauerrahm und Mehl zum ab dicken nehmen, das kenne ich noch so von meiner Mutter.
    Das mit den Königsberger Klopsen kann ich so nicht bestätigen, die gab es bei uns in meiner Jugend regelmäßig und die habe ich auf meinem Blog auch schon mal aus Gründen der Kindheitserinnerung gekocht.

    • März 25, 2014 at 8:14 pm

      Für mich kam der Sauerrahm grade recht, der hat die leichte Säure beigesteuert, die mir sonst immer gefehlt hat.
      Aber das mit den Klopsen gibt mir jetzt zu denken…es gab die nie….ich glaub, ich muss mal nachfragen :-)

  3. März 25, 2014 at 4:36 pm

    Kann mich nur an eine Version mi Rindsplätzli an einer ähnlichen Sauce erinnern. Dabei wurde aber das Fleisch unter dem Reis versteckt und im Ofen überbacken. Muss mal sehen, ob ich das noch irgendwo finde.

    • März 25, 2014 at 4:44 pm

      Ich bin neugierig. Und habe das Gefühl, dass ich in nächster Zeit sehr viel Reisfleisch und Reisfleisch-Ähnliches essen werde.

  4. März 25, 2014 at 2:19 pm

    Das hätte ja auch fast etwas für die “Rettungsgruppe” sein können. Vermutlich kommt das heute nicht mehr oft auf den Tisch…

    Ich finde, es sieht lecker aus und liest sich gut! Reisfleisch gab es bei uns nicht wirklich, aber ich werde es auf alle Fälle mal nachkochen, ich stehe auf solche “One-Pot”-Gerichte :D

    • März 25, 2014 at 3:04 pm

      Hach, ich hab mich so über das Rezept gefreut, da hab ich an die Rettungsgruppe gar nicht mehr gedacht…..

  5. März 25, 2014 at 11:20 am

    Dooooch, Reisfleisch kann man nie genug Rezepte haben! Ich hab auch schon einmal eines gepostet. ;)

    Mehl mit Sauerrahm verrührt hat bei uns sogar einen Namen: Gmachterln nennt sich das und wir binden in der österreichischen Küche gern damit. Kalbsrahmgulasch binde ich auch so.

    • März 25, 2014 at 11:25 am

      Ach….ich hätte nur bei Dir schauen müssen? Na, da hätte ich auch so draufkommen können. Und wenn ich mich jetzt so durch all die Kommentare arbeite, dann gibt es jetzt wahrscheinlich drei Wochen am Stück Reisfleisch….damit ich mir die Feinheiten erarbeite :-)

  6. März 25, 2014 at 10:04 am

    Ich kann dich so gut verstehen! Ich suche schon ewig nach DEN Königsberger Klopsen meiner Urgroßmutter, also nach dem Rezept natürlich, bis jetzt erfolglos, die meiner Oma schmecken irgendiwe anders…
    Dein Reisfleisch klingt absolut himmlisch und ich habe noch Schmorrind. :-) Danke!

    • März 25, 2014 at 10:35 am

      Ich muss gestehen, Königsberger Klopse habe ich neulich zum allerersten Mal überhaupt gemacht; die hat man als Süddeutsche wohl nicht so auf dem Schirm. Ich fand sie ja göttlich, aber ob es das ist, was Du suchst….
      Ich glaube, bei solchen Gerichten spielt einfach auch die emotionale Seite eine Rolle….das ist verknüpft mit Erinnerungen, die sich in der Gegenwart einfach nicht wiederholen lassen. Und dann schmeckt es auch anders.

  7. März 25, 2014 at 9:46 am

    Reisfleisch – eins meiner Lieblingsrezepte, die ich gerne während des Studiums aß. Und weißt Du, wenn mein Schwiegervater mich zum Essen einlud, gingen wir ins Gasthaus am Pogusch zum Plachuta.
    Damals hatte er nur zwei Gasthäuser: das Gasthaus am Pogusch in der Steiermark und dann das berühmte Steirereck in Wien.
    Geschwelgt haben wir in all den guten Sachen, die unsere Frauen nicht schätzten: Klachelsuppe mit Kren, Reisfleisch, Kalbsbeuschel mit Schnittlauch-Knödel und anschließend ein Stamperl Kriecherl, den ich beim Nachbarn brennen geholfen habe.

    Es lebe das Reisfleisch!

    Plachutas “Feine Küche” ist auch heute noch meine Kochbibel.

    Und heute noch steht im Gasthaus am Pogusch auf der Karte der schöne Spruch:
    Zum Gabelfrühstück gönn ich mir, ein Tellerfleisch, ein Krügerl Bier, schieb ab und zu ein Gulasch ein, kann freilich auch ein Beuscherl sein, ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett, sonst hat man zu Mittag sein Gfrett.

    Liebe Grüße Toettchen

    • März 25, 2014 at 10:27 am

      Ich weiß all die guten Sachen auch zu schätzen….ich beneide Dich grade um Deinen Schwiegervater ;-) Wobei zum Frühstück….puhhh….einigen wir uns auf Brunch :-)
      Die “Feine Küche” habe ich nicht; ich sollte wohl mal danach Ausschau halten.

  8. März 25, 2014 at 9:40 am

    Oh, das hört sich verdächtig ähnlich nach dem Rezept meiner Mama an… Ich glaube mich aber erinnern zu können, dass sie noch Tomatenmark hinzugab… Muss ich doch mal nachfragen… Ja, leckere Kindheitserinnerung, die schon ewig nicht mehr auf den Tisch kam. Allerdings habe ich auch schon ewig nicht mehr daran gedacht… Danke für den Schubser in die richtige Richtung :-)

    • März 25, 2014 at 10:03 am

      Gerne. Und Tomatenmark war da bei uns früher auch dran, glaube ich…..

  9. März 25, 2014 at 9:31 am

    Eine gute Idee, unter ein saußiges Reis-Gericht am Ende Sauerrahm zu rühren, das merke ich mir mal! Und ich find’s toll, auch Gerichte zu posten, die uns heute als “schlicht” oder “einfach” gelten. Als ich Kind war, galt es als sehr ehrenwert, wenn jemand im Alltag simple Dinge gut kochen konnte. Ich bin mir seit meiner Entdeckung von Elizabeth David ohnehin nicht mehr so sicher, ob wirklich jedes Gericht eine noch nie dagewesene Zutat braucht oder unglaubliche Raffinesse in der Zubereitung. Natrlich macht dieses Entdecken Spaß, aber im Alltag habe ich da meist gar keine Zeit für und bin froh über gute, einfache Dinge.

    • März 25, 2014 at 10:02 am

      Gute, einfache Dinge sind ja oft das Beste. Eine meiner Erinnerungen ist diese Reissuppe meiner Oma – Rinderbrühe mit Reis. Unerreicht….

  10. März 25, 2014 at 9:24 am

    Reisfleisch, ich liebe es, gabs bei uns in der Kindheit, ebenso wie Krautfleisch.
    Allerdings wurde es bei uns nicht mit irgendwas abgebunden, weder mit Rahm noch mit Mehl, wie verschieden doch die Rezepte sind.
    Und hier wird Schweinefleisch dazu verwendet, Schweineschulter um genau zu sein.
    Parmesan und grüner Salat ist ein Muss hier zu Reisfleisch.

    Liebe Grüße Sina

  11. März 25, 2014 at 9:17 am

    Oh ja, das schaut lecker aus! Mein Mann ist Serbe, somit hatte ich vor Jahren meine Kochgewohnheiten auch sehr umgestellt (zum Vorteil, wie ich finde). Und “Pilaw” lieben wir alle sehr… falls du mal schauen magst: link to farfalla-design.blogspot.de
    Dazu noch frisches Brot, so wie heute, wo es zum jugoslawischen Moussaka Maismehlbtot gibt ;-)
    Dein erwähntes Kochbuch hat mich auch neugierig gemacht… ich werde danach mal Ausschau halten :-) Viele Grüße, Jana

    • März 25, 2014 at 9:42 am

      Dein Pilaw ist auch ganz nach meinem Geschmack….
      Das Maismehlbrot ist für mich legendär, gibt es dazu bei Dir ein Rezept?
      Ah… ich hab das Rezept….super…bin quasi schon in der Küche :-)

  12. März 25, 2014 at 8:55 am

    Klasse! Ein gutes Reisfleisch hatte ich auch schon ewig nicht mehr, dabei mögen wird das alle hier. Wobei ich Tomaten drin vermisse…

    • März 25, 2014 at 9:16 am

      Tomaten? Das ist mir jetzt neu. Es könnte allerdings sein, dass meine Mutter da Tomatenmark reingetan hat….

  13. März 25, 2014 at 8:31 am

    Ich habe noch nie zuvor von Reisfleisch gehört oder gelesen. Aber das sieht SOOO gut aus, das werde ich demnächst ausprobieren! Mein Mann isst zwar kein Sauerrahm, Sahne oder ähnliches, aber ich werds ihm schon irgendwie unterjubeln. :) Vielen Dank für dein Rezept und liebe Grüsse von einer Namensvetterin :)

    • März 25, 2014 at 9:09 am

      Ehrlich, noch nie? Das war bei uns so ein Kindheitsklassiker.
      Der Sauerrahm fällt eigentlich nicht weiter auf, der wird in übersichtlicher Menge zum Abbinden benutzt.

  14. März 25, 2014 at 8:20 am

    Mit Sauerrahm und Mehl binden? Darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das Reisfleisch ein Knüller ist.

    • März 25, 2014 at 8:25 am

      Ich bin da ja auch nicht drauf gekommen. Die Erleuchtung kam beim Lesen….Kochbücher sind doch nützlich :-)

  15. März 25, 2014 at 8:12 am

    rettet das Reisfleisch ;)

    • März 25, 2014 at 8:21 am

      Das ist DIE Idee. Bloß hab ich’s ja jetzt schon gerettet, so für mich persönlich :-)

  16. Eva
    März 25, 2014 at 8:08 am

    ?? “Simples Reisfleisch” – zum Glück schreibst du darüber. Das koch ich 100pro nach, sieht wunderbar aus und das Rezept klingt genau nach unserem Geschmack!

    • März 25, 2014 at 8:10 am

      Huch bist Du schnell :-)
      Freut mich, wenn es Dir gefällt, ich habe tatsächlich überlegt, ob das einen Eintrag wert ist….

      • Eva
        März 25, 2014 at 8:12 am

        nicht überlegen, einfach machen. – Oft werden das die beliebtesten Beiträge! :-)

        • März 25, 2014 at 8:21 am

          Hast recht :-)

Comments are closed.